Vor dem Frühstück fuhr ich mit dem Auto zum Rogers Pass Discovery Centre, da es dort guten Handyempfang gibt, um dasselbe Spiel wie am Vortag zu „spielen“. Zusätzlich zu den Shuttle-Tickets für Tag 12 wollten wir auch welche für Tag 13, weil wir an beiden Seen (Lake Louise und Moraine Lake) größere Wanderungen unternehmen wollten. Also versuchte ich wieder gemeinsam mit der Unterstützung von zuhause, Tickets für das Shuttle zum Moraine Lake für Donnerstag (13.8.) zu ergattern. Und es klappte auch: Sowohl ich als auch Nikolai hatten am Ende die Tickets für die gewünschte Uhrzeit im Warenkorb. Auch hier nochmal Danke für die Hilfe an alle, die es versucht haben!

Dann ging es zurück zum Campingplatz, es gab den gewohnten Haferbrei zum Frühstück, und anschließend ging es los mit der Fahrt zum und dann durch den Yoho Nationalpark. Im Vergleich zu den letzten zwei Tagen war die Rauchsituation zum Glück wieder deutlich besser. Unser erster Stopp lag noch vor dem Park in Golden: die Kicking Horse Pedestrian Bridge, die längste freistehende Holzfachwerkbrücke Kanadas. Sie misst 46 Meter und wurde 2001 von über 100 Mitgliedern der Timber Framers Guild aufgerichtet, die dafür aus den USA, Europa und ganz Kanada angereist waren.

Kicking Horse Pedestrian Bridge

Danach steuerten wir die Wapta Falls an, zu denen wir ungefähr zwei Kilometer laufen mussten. Mit 18 Metern Höhe und 107 Metern Breite sind sie der größte Wasserfall des Kicking Horse River. Der Fluss verdankt seinen Namen übrigens einem Missgeschick in unmittelbarer Nähe: 1858 wurde James Hector, Arzt und Geologe der Palliser-Expedition, hier von einem durchgegangenen Pferd vor die Brust getreten.

Wapta Falls

Von dort ging es weiter zur Natural Bridge, wo sich der Kicking Horse River durch eine Felsbank gefressen hat. Bei der Bezeichnung Bridge hätten wir eigentlich einen geschlossenen Felsbogen erwartet. Dass man auch über den aufgebrochenen Felsen laufen kann, zeigten einige rücksichtslose Touristen, die sich nicht an die Regeln hielten.

Natural Bridge über dem Kicking Horse River

Wenige Kilometer weiter erwartete uns ein ganz schönes Parkchaos beim Emerald Lake. Nachdem wir 700 m vom See entfernt endlich an der Straße geparkt hatten, liefen wir zum See und machten dort erst einmal unsere Vesperpause. Danach spazierten wir einmal die gut fünf Kilometer lange Runde um den See, mit An- und Abmarsch wurden knapp sieben Kilometer daraus.

Aussicht beim Vesperplatz
Bild von uns beim Rundweg
Durch den Rauch vernebelte Berge

Der Emerald Lake ist der größte See des Nationalparks. 1882 stieß der Bergführer Tom Wilson auf ihn, als er ausgebüxten Pferden hinterherlief, und benannte ihn nach dem smaragdgrünen Wasser (Smaragd heißt auf Englisch emerald). Dass er den Namen kurz zuvor schon einmal vergeben hatte, störte offenbar niemanden: Jener erste „Emerald Lake“ wurde später umbenannt und heißt heute Lake Louise.

Am Nordende des Sees, ungefähr auf der Hälfte des Rundwegs, erklärt eine Tafel, dass der See mit der Zeit immer kleiner wird. Die Bäche verlieren dort, wo das Tal flacher wird, an Tempo und lassen Geröll und Kies liegen; besonders schnell wächst dieser Schwemmfächer während der Schneeschmelze. Auf der gegenüberliegenden Seite sinkt gleichzeitig der feinere Schlick als Delta ab. Dass sich beides überlagert, ist in den Rockies ungewöhnlich, und das Ende ist absehbar: Irgendwann wird der Emerald Lake verschwunden sein.

https://www.komoot.com/tour/3195071671

Nach dem Rundweg steuerten wir das Visitor Centre in Field an. Wir hatten zwar eigentlich keine Hoffnung, wollten aber doch einen Versuch wagen und nachfragen, ob es irgendwelche kurzfristigen Möglichkeiten gäbe, Shuttle-Tickets für den Lake O’Hara zu bekommen.

Der Lake O’Hara liegt 11 Kilometer abseits der nächsten öffentlichen Straße, und diese Zufahrt ist für Privatfahrzeuge und Fahrräder gesperrt. Wer nicht laufen will, braucht einen Platz im Bus von Parks Canada, und die werden nicht verkauft, sondern verlost: Bewerben konnte man sich 2026 zwischen dem 2. und 23. März. Die Zeltplätze wiederum gingen am 10. Februar um 8 Uhr online und waren entsprechend schnell weg.Und tatsächlich wurde uns gesagt, dass es für heute Abend noch freie Zeltplätze gäbe. Aufgrund des Rauches sind wohl einige Leute nicht angereist beziehungsweise haben kurzfristig abgesagt. Die Entscheidung war dann gar nicht so einfach, weil wir unsere Pläne komplett auf den Kopf stellen, das Geld für den Campingplatz am Lake Louise abschreiben und das hart erkämpfte Shuttle-Ticket für Tag 12 stornieren mussten. Letztendlich entschieden wir uns aber dafür, da es vermutlich eine ziemlich einmalige Chance ist, an den Lake O’Hara zu kommen, wenn man nicht 11 km hinein und auch wieder hinaus zu Fuß gehen möchte. Zusätzlich kommen vor Ort nochmal 12 Kilometer dazu, wenn man mit dem Alpine Circuit zumindest die absolute Standardroute machen möchte.

Also brachen wir schnell vom Visitor Centre auf, fuhren zur 20 km entfernten Haltestelle des Shuttles und hatten dann dort eine halbe Stunde, um alles für die Übernachtung und die morgige Wanderung in die Rucksäcke zu packen. Als das geschafft war, quatschten wir mit der Rangerin, die das Shuttle mit ihrem Pickup begleitete, bezahlten die Fahrt und den Zeltplatz und fuhren die 11 km lange Strecke.

Shuttle zum Lake O’Hara

Angekommen am Campingplatz, durften wir uns eine der erstaunlich vielen freien Parzellen aussuchen, bauten das Zelt auf und liefen dann noch die 700 Meter vor zum See. Dort konnten wir auf einem Steg die Aussicht noch ein wenig genießen.

Lake O’Hara vom Steg aus

Nachdem wir zurück waren, kochten wir schnell Abendessen (Fertigpäckchen mit Reis) und wurden beim Essen von Donnergrollen überrascht. Wenig später regnete es auch, sodass es nach dem Spülen schnell ins trockene Zelt ging.

Kategorien: Kanada2026

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