Gestern hatten wir für den Shuttle zum Moraine Lake „nur“ einen Platz für zehn Uhr bekommen. Beim Frühstück tauchten dann aber doch noch weitere Verfügbarkeiten auf, und so buchten wir gegen acht Uhr kurzerhand auf den Slot von acht bis neun Uhr um. Entsprechend hektisch wurde der Morgen. Wir richteten schnellstmöglich die Tagesrucksäcke mit genügend Vesper, Wasser und Regenjacken und fuhren los Richtung Skistation von Lake Louise, wo die Shuttles abfahren. Seit 2023 ist die Straße zum Moraine Lake für private Fahrzeuge gesperrt.
Mit dem Shuttle ging es zuerst zum Moraine Lake. Dort stiegen wir gemeinsam mit sehr vielen anderen auf den Rock Pile und machten ein paar Fotos. Der Felshaufen staut den See auf und gab ihm seinen Namen. Walter Wilcox hielt ihn 1899 für eine Moräne, heute geht man davon aus, dass der Felshaufen durch einem Bergsturz entstand.

Obwohl es bewölkt war, starteten wir anschließend die Wanderung zum Sentinel Pass und hofften, dass es im Lauf des Vormittags noch aufziehen würde. Weil wir nachmittags noch zum Lake Louise wollten, hatten wir nicht allzu viel Zeit und liefen ziemlich zügig. Erst ging es durch Wald, dann flacher über freiere Flächen mit weniger Bäumen bis zu den Minnestimma Lakes. Von dort führt der Weg im Zickzack über ein Geröllfeld nach oben, gut angelegt und trotz der Steilheit angenehm zu laufen.


Statt aufzuklaren kam allerdings eher leichter Regen dazu. Entsprechend wenig Sicht hatten wir oben, zum Glück hörte der Regen aber wieder auf. Mit 2.611 Metern ist der Sentinel Pass der höchste Punkt in den Rockies, der über einen unterhaltenen Wanderweg erreichbar ist.


Dann ging es zügig wieder nach unten. Kurz bevor der Weg wieder in den Wald eintauchte, hatten wir doch noch eine halbwegs gute Sicht auf ein paar Gletscher.

Unten am See angekommen ging es zurück zur Bushaltestelle, wo wir das Transfershuttle zum Lake Louise nahmen. Insgesamt kamen 12,7 km und 750 hm zusammen.

Die Busfahrt nutzen wir um unser Mittagsvesper zu essen, und waren dann direkt bereit zum loslaufen, als wir in Lake Louis ankamen. Zuerst wanderten wir am See entlang und dann weiter das Tal hinauf Richtung Plain of Six Glaciers.



Unterwegs fing es allerdings wieder an zu regnen, stärker als am Morgen, und diesmal hörte es auch nicht mehr auf. Also kämpften wir uns bis zum Teehaus 1 km vor dem Viewpoint vor, wo wir im Trockenen bei einem warmen Tee und einem Stück Kuchen saßen und auf die zumeist von Wolken verdeckten Gletscher schauten.


Das Teehaus wurde in den 1920er Jahren von der Canadian Pacific Railway für die Gäste des Chateau Lake Louise gebaut. Bis heute gibt es weder Straße noch Strom, gekocht wird auf Gaskochern, und die Vorräte kommen per Hubschrauber und Packpferd herauf.
Als es aufhörte zu regnen, sparten wir uns den restlichen Kilometer zum eigentlichen Viewpoint, denn wegen der Wolken war dort immer noch sehr wenig zu sehen. Stattdessen drehten wir um, um noch hoch zum Big Beehive und zum Lake Agnes Teahouse zu kommen. So richtig hielt das Wetter aber nicht, und immer wieder nieselte es etwas. Und oben am Big Beehive angekommen, wurden wir leider auch nicht so richtig belohnt. Wir waren gerade so auf der Höhe der Wolken, sodass die Aussicht auf den Lake Louise nicht gerade perfekt war.

Danach ging es steil hinunter zum Lake Agnes und seinem Teehaus. Der See ist nach Agnes Macdonald benannt, der Frau des ersten kanadischen Premierministers.

Weiter steil bergab kamen wir zum Mirror Lake, ab dort war es ein breiter Waldweg, den wir bis zum Lake Louise hinunterliefen. Saskia sprang unten trotz des kühleren Wetters noch in den kalten See. Für diese Runde standen am Ende 15,9 km und 700 hm auf der Uhr. Gemeinsam mit der Wanderung am Morgen standen gewaltige 28,6 km und 1450 Höhenmeter am Ende auf der Uhr.

Um 19:15 Uhr nahmen wir eines der letzten Shuttles zurück zum Parkplatz und fuhren mit dem Auto zurück zum Lake Louise Campground, wo wir auch die Nacht davor schon übernachtet hatten. Zuerst steuerten wir die Dusche an, dann kochten wir in einem sehr lieblosen Shelter das Abendessen: als Vorspeise eine Dal-Suppe aus der Dose, als Hauptgang Paneer Tikka Masala als Fertiggericht mit Reis. Die Suppe war sehr lecker, das Fertiggericht so lala.
Danach ging es ins Zelt für eine weitere Planungssession. Die Backcountry-Wanderung zwischen Banff und Jasper haben wir gecancelt, da es am Cataract Pass abends, nachts und morgens schlicht zu kalt wird. Dafür sind wir jetzt früher in Jasper und hatten riesiges Glück: Für den Berg Lake Trail bekamen wir ab Sonntag (Tag 16) noch Reservierungen für zwei Nächte. Der Trail ist sehr beliebt und normalerweise muss man im März buchen. Genauso wie bei Lake O‘Hara haben wir jetzt Reservierungen, die normalerweise nicht zu bekommen sind.
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