Der Wecker klingelte früh, weil wir vor der Weiterfahrt noch einen Abstecher zum Maligne Lake machen wollten. Also Zelt abgebaut und geduscht, morgens soll das Wasser wärmer sein als abends. Bei mir war es trotzdem meistens recht kalt, Saskias Dusche war in Ordnung. Dann fuhren wir die Stunde zum Maligne Lake, wieder viel durch abgebrannte Wälder.

Abgebrannte Wälder an der Maligne Lake Roaf

Dort angekommen waren wir früh genug dran, um problemlos parken zu können. Und dann ging es auch schon los Richtung Bald Hills. Ganz hinauf wollten wir eigentlich nicht, weil das für den Tag zu viel geworden wäre, aber zumindest bis zu einem Aussichtspunkt, von dem aus man den Maligne Lake gut sehen können soll. Der breite Weg nach oben ist eine alte Feuerwachstraße, die zum Standort eines längst abgebauten Feuerwachturms führt. Hunde sind hier verboten, die Bald Hills gelten als wichtiger Lebensraum der bedrohten Waldkaribus.

Ein solcher Aussichtspunkt kam dann leider nicht, und so liefen wir doch ganz hoch. Oben war es ein schönes Panorama, die Sicht aber eher mäßig, vermutlich lag ein wenig Rauch in der Luft.

Versuche Blick von den Bald Hills auf den Maligne Lake

Dann ging es ziemlich zügig bergab zurück zum Auto, während der Fahrt schmierten und aßen wir Brote, und dann lagen zwei Stunden bis zum Mount Robson Visitor Centre vor uns. Unterwegs kam der Zeitzonenwechsel, die Grenze zwischen Alberta und British Columbia am Yellowhead Pass ist zugleich die Zeitzonengrenze. Wir sind nun wieder neun Stunden hinter Deutschland und haben eine Stunde „gewonnen“.

Am Mount Robson Visitor Centre haben wir erst einmal unsere Onlinebuchung „eingecheckt“ und einige Infos vom Ranger bekommen, dazu ein extra für uns laminiertes Zettelchen, das wir ans Zelt hängen sollten. Der Ranger „warnte“ uns vor, dass uns Fünf-Sterne-Backcountry-Camping erwarten würde.

Mount Robson Visitor Centre mit Mount Robson im Hintergrund

Danach machten wir Pause beim Kaffee nebenan, breiteten das noch nasse Zelt zum Trocknen in der Sonne aus, packten die Rucksäcke fertig und fuhren die 2 km zum Parkplatz am Trailhead.

Bis zu unserem ersten Campingplatz, dem Whitehorn Campground, erwarteten uns 10,5 km und knapp 500 hm. Unter Berücksichtigung, dass wir am Morgen schon knapp 15 km und etwa 700 hm gemacht hatten, reichte uns das aber auch.

Der Berg Lake Trail war unglaublich gut ausgebaut, fast schon wie ein schöner Forstweg, und zumindest bis zum 4 km entfernten Kinney Lake auch recht voll. Viele laufen für den Tag nur zu dem See. Dass der Weg so gut ausgebaut ist, hat einen Grund: Nach der Flut von 2021 war der Trail vier Jahre lang gesperrt und wurde in drei Abschnitten für rund fünf Millionen Dollar neu gebaut, samt neuer Brücken. Erst seit 2025 ist er wieder komplett offen.

Kinney Lake – Bild 1
Kinney Lake – Bild 2
Perfekter Weg mit perfekter Brücke

Der Kinney Lake auf 980 Metern ist nach George Kinney benannt, einem Methodistenprediger und Bergsteiger, der 1909 gemeinsam mit dem Jasper-Outfitter Donald „Curly“ Phillips beinahe den Gipfel des Mount Robson erreichte. Vollständig bestiegen wurde der Berg erst 1913 von Conrad Kain, Albert MacCarthy und Bill Foster. Den See selbst gibt es nur, weil ein Seitenbach am Talboden einen Schwemmfächer aus Sand und Kies aufgeschüttet hat, den der Robson River nicht schnell genug abtransportieren kann. Der Fächer wirkt als Damm, das Wasser staut sich dahinter.

Am Whitehorn Campground angekommen suchten wir uns einen Zeltplatz aus, bauten unser Zelt auf und gingen dann zum sehr schönen Shelter, um dort zu kochen. Heute gab es Alfredo Pasta von Knorr. Da das Camp direkt am Robson River liegt, war die Wasserversorgung im Gegensatz zur Wanderung auf das Flower Ridge (siehe Tag 6-7) auch kein Problem. Das Wasser zum Kochen lassen wir wie gewohnt kurz durchkochen, und für unser Trinkwasser haben wir Chlortabletten dabei. Wobei wir überlegen, uns für die nächste Wanderung ergänzende oder andere Filtermöglichkeiten zu besorgen.

Shelter am Whitehorn Campground

Diese zweite Wanderung des Tages hatte 20,5 km und 340 Höhenmeter. In Summe waren es ab dem Tag insgesamt 24,9 km und 1060 Höhenmeter.

Kategorien: Kanada2026

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