Die erste Nacht in der neuen Zeitzone (neun Stunden hinter Deutschland) klappte zum Glück erstaunlich gut: Wir schafften es, einigermaßen bis etwa sieben Uhr Ortszeit durchzuschlafen, was länger war, als wir erwartet hatten. Zum Frühstück gab es, von Brandon zubereitete Shakshuka.
Danach ging es zu Canadian Tire, wo zwei Dinge auf der Liste standen, die wir nicht mit dem Flugzeug mitnehmen konnten: Bärenspray und Brennstoff für unseren Trangia-Kocher. Das Bärenspray war mit 70 CAD teurer als erhofft, und eine Gallone (3,8 l) Methanol schlug mit 18 CAD zu Buche – jeweils zuzüglich der zwölf Prozent Steuern, die in British Columbia erst an der Kasse dazukommen. Die Suche nach passendem Brennstoff war überhaupt schwieriger als gedacht. Spiritus beziehungsweise denaturierten Alkohol gibt es in British Columbia nicht zu kaufen, dafür aber reines Methanol. Das ist deutlich giftiger als Ethanol, Hautkontakt und Einatmen sollte man vermeiden, und der Heizwert liegt rund ein Viertel niedriger. Mbraucht also mehr davon, um einen Liter Wasser zum Kochen zu bringen. Immerhin brennt es mit einer ähnlich sauberen Flamme. Außerdem kauften wir ein Seil, um bei den Backcountry-Wanderungen unser Essen an einem Baum aufhängen zu können. Wenn man keinen Besuch von Bären oder sonstigen Tieren, zum Beispiel Mäusen, bekommen möchte, sollte das Essen zwingend außerhalb des Zeltes bleiben.

Anschließend liefen wir wieder zur SkyTrain-Station, an der wir gestern schon ausgestiegen waren, und fuhren Richtung Downtown. Von dort bummelten wir durch die Stadt und machten halt in der Bibliothek, von der man ganz oben eine schöne Aussicht über die Stadt hat. Die Vancouver Public Library fällt von außen auf: Ein rechteckiger Bau steckt in einer frei stehenden, elliptischen Säulenwand, die dem Kolosseum in Rom nachempfunden ist.


Danach liefen wir Richtung Waterfront nach Gastown, dem ältesten Stadtteil Vancouvers – hier stand die ursprüngliche Siedlung, aus der die Stadt in den 1870er-Jahren gewachsen ist. Bekanntestes Fotomotiv ist die Dampfuhr an der Ecke Water und Cambie Street. Ganz so historisch, wie sie aussieht, ist sie allerdings nicht: Gebaut wurde sie erst 1977. Und auch das mit dem Dampf stimmt nur zur Hälfte. Eigentlich soll eine kleine Dampfmaschine im Sockel Stahlkugeln nach oben befördern, deren Gewicht beim Herunterrollen das Uhrwerk antreibt. Weil das nie zuverlässig lief, hilft ein versteckter Elektromotor nach – ob von Anfang an oder erst später nachgerüstet, darüber sind sich die Quellen uneinig. Zumindest echt ist der Dampf für die fünf Pfeifen, der aus den Fernwärmeleitungen unter der Innenstadt kommt und alle 15 Minuten den Westminster-Schlag spielt.


Nach dem Stadtbummel machten wir Pause bei einem Restaurant, wo es Bier und Nachos gab. Wir saßen draußen mit Blick auf die Fußgängerzone, bei bestem Wetter. Danach ging es erst einmal mit dem Zug zurück zu Emily und Brandon.
Am Abend ging es dann mit einem Uber in den Osten von Vancouver, wo Emily und Brandon Tickets für ein Wrestling-Event besorgt hatten: die Lucha Libre Spectacular 8 „Loco Ocho“ unter freiem Himmel beim Waldorf. Nachdem wir vor gut einem Jahr in El Alto in Bolivien beim Cholitas-Wrestling waren (siehe Tag 218), war das schon das zweite Mal, dass wir uns so etwas anschauten. Entgegen unserer Erwartung war es allerdings nicht viel professioneller als in Bolivien, sondern vermutlich auf dem gleichen Niveau. Dafür war es unglaublich laut, und das mexikanische Street Food, das es dort zum Abendessen gab, war eher so semi. Danach ging es zurück zu Emily und Brandon, wo wir auch die zweite Nacht verbrachten.

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