Nach dem Frühstück ging es mit dem Uber von Brandon und Emily nach Downtown, wo wir unser Mietauto reserviert hatten. Da der SkyTrain 2,75 CAD pro Person gekostet hätte, ein Uber mit nur knapp 10 CAD nicht viel teurer war, sparten wir uns das Rucksäcke schleppen. Bei der Übernahme des Autos klappte alles und wir bekamen genau das, was wir bestellt hatten: einen SUV mit Allrad.
Von Downtown fuhren wir Richtung Süden zum Tsawwassen Ferry Terminal. Um 11 Uhr legte die Fähre ab, die knapp anderthalb Stunden nach Vancouver Island verbrachten wir auf dem Sonnendeck. Wale zeigten sich bei der Überfahrt aber leider keine.


Von Swartz Bay brauchten wir noch einmal gut 30 Minuten bis nach Victoria. Am Hostel ergatterten wir mittags zum Glück den letzten freien Parkplatz. Danach liefen wir zum Hafen, wo wir uns für eine Free Walking Tour angemeldet hatten und gerade so pünktlich kamen. Drei Stunden ging es quer durch die Innenstadt. Nach ein paar allgemeinen Informationen zu Vancouver Island und zu den First Nations standen wir vor dem BC Parliament Building. Der Architekt Francis Rattenbury war gerade einmal 25 Jahre alt, als er den Wettbewerb dafür gewann. Unser Guide behauptete außerdem, die vergoldete Figur von Captain George Vancouver auf der Kuppel habe zwei linke Füße und Rattenbury hätte beim Entwurf die Toiletten vergessen.

Weiter ging es zum Thunderbird Park, wo etliche geschnitzte Pfähle stehen. Es handelt sich durchgehend um Repliken und neuere Arbeiten, viele davon aus den 1950er-Jahren von Mungo Martin, die Originale halten der Umwelt nicht lange stand. Der große Pfahl vor dem bemalten Langhaus ist ein Wappenpfahl von 1953 und trägt die Wappen von Martins Clan. Das Haus selbst heißt Wawadit’la, stammt aus demselben Jahr und wird bis heute für Veranstaltungen der First Nations genutzt.

Anschließend führte uns der Guide einmal durch das Fairmont Empress, ebenfalls ein Entwurf von Rattenbury, wo man die britische Teekultur zelebrieren kann. 114 CAD pro Person kostet der Afternoon Tea dort, zuzüglich Steuern. Wir sind nur durchgelaufen. Auf der Government Street kamen wir an Rogers‘ Chocolates vorbei. Charles Rogers eröffnete hier 1885 zunächst einen Gemüseladen und verkaufte Schokolade nur nebenbei. Als das besser lief als alles andere, stellte er dann komplett um. Dem Guide zufolge soll er später recht eigenwillig entschieden haben, wen er überhaupt bediente: Wem der Hut des Kunden nicht gefiel, der bekam eben keine Schokolade.
Über den Market Square ging es zum Schluss nach Chinatown, wo ab 1858 die ersten chinesischen Einwanderer ansiedelten. Um 1900 lebten über 95 Prozent aller Chinesen des Landes in diesen sechs Blocks. Die Chinatown selbst war aber kleiner und weniger spektakulär als wir es erwartet hatten. Zu meiner großen Überraschung machte uns dort auch kein einziges Restaurant an, weshalb wir die Government Street wieder zurück Richtung Hafen bummelten. Zum Abendessen gab es dann Ramen.

Danach setzten wir uns unweit vom Hafen an die Waterfront und hörten einer Band zu. Anschließend liefen wir gut 20 Minuten zum Fisherman’s Wharf. Die Anlage wurde 1948 für die kommerzielle Fischerei gebaut, zwei der sechs Stege waren damals für schwimmende Behausungen vorgesehen. Jedoch gab es wohl nicht genügend Regeln und Polizei, so dass daraus über Jahre ein ziemlich rechtsfreier Raum mit Glücksspiel und Prügeleien wurde. Heute ist es ein Touri-Hotspot mit 33 bunten Float Homes.

Da wir vorab schon gegessen hatten, konnten wir dort leider nichts mehr probieren. Zurück zum Hostel liefen wir dann die gleiche Strecke zurück und stoppten unterwegs nochmal am Hafen, um dort den Sonnenuntergang anzuschauen.

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