Nachdem wir gestern nach unserem Besuch im Palacio Nik-An, dem Hauptkomplex der Lehmziegelstadt Chan Chan, keine Zeit mehr hatten, die anderen archäologischen Stätten rund um Trujillo anzuschauen, blieben wir spontan eine weitere Nacht in Huanchaco. Und die Möglichkeit nutzte ich direkt: Ich hatte mich mit Alejandro für eine weitere Surfstunde verabredet – allerdings schon um 6:30 Uhr, damit wir das restliche Tagesprogramm trotzdem noch schaffen können. Saskia hingegen nutzte die Gelegenheit, etwas länger zu schlafen. Die gute Stunde im Wasser machte wieder viel Spaß, und ganz langsam zeigen sich auch weitere Fortschritte. Dank der frühen Uhrzeit waren wir sogar ganz allein draußen in den Wellen – ein perfekter Start in den Tag.

Auf einer auf dem Bild erstaunlich klein aussehenden Welle

Nach einer schnellen Dusche fuhren wir ins direkt angeschlossene Trujillo – zunächst in Richtung der Huaca Arco Iris, auch bekannt als Templo del Dragón. Aber schon die Anfahrt war ein unangenehmes Abenteuer: Die Straßen sind häufig nicht asphaltiert und in einem desolaten Zustand mit tiefen Schlaglöchern. Entsprechend mühsam war die Fahrt.

Die Huaca Arco Iris selbst ist ein vergleichsweise kleiner Lehmziegeltempel aus der Zeit der Chimú-Kultur, die später auch Chan Chan errichtete. Die Anlage wurde vermutlich für rituelle Zwecke genutzt und ist bekannt für ihre kunstvollen Wandreliefs.

Huaca Arco Iris – Bild 1
Huaca Arco Iris – Bild 2
Huaca Arco Iris – Bild 3

Im Anschluss querten wir einmal die ganze Stadt, um das Museo Huacas de Moche und die benachbarten Tempel der Moche-Kultur zu besuchen. Auch diese Fahrt zog sich länger hin als gehofft, was unseren Zeitplan ein wenig ins Wanken brachte. Im Museum angekommen, nahmen wir uns trotzdem Zeit für die gut aufbereitete Ausstellung: Hier erfuhren wir mehr über das Leben, die Rituale und das künstlerische Können der Moche-Kultur, die zwischen etwa 100 und 800 n. Chr. entlang der Nordküste Perus blühte. Die Moche waren meisterhafte Keramiker und Architekten, betrieben ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem und hinterließen eine der beeindruckendsten religiösen Architekturen der Andenregion.

Museo Huacas de Moche

Anschließend nahmen wir an einer geführten englische-sprachigen Tour durch die Huaca de la Luna teil. Ohne Guide darf die Anlage nicht besichtigt werden. Der Tempel selbst wurde über mehrere Jahrhunderte hinweg in Schichten errichtet – jede neue Herrschergeneration überbaute die alte mit einer neuen Ebene. Dadurch blieben die inneren Wände besonders gut erhalten. Besonders eindrücklich wäre wohl das rituelle Zentrum des Tempels, wo einst Menschenopfer dargebracht wurden, vermutlich zur Besänftigung der Götter in Zeiten von Naturkatastrophen wie El Niño. Leider durften wir diesen zentralen Bereich aber nicht anschauen: Nach starken Regenfällen im März wurde das große Schutzdach über der Ausgrabung als einsturzgefährdet eingestuft, weshalb der Zugang vorsorglich gesperrt wurde.

Huaca de la Luna – Überreste der Pyramide
Huaca de la Luna – Wandverzierungen
Huaca de la Luna – Beeindruckende Nordseite
Huaca de la Luna – Wandgemäde 1
Huaca de la Luna – Wandgemäde 2
Huaca de la Luna – Einsturzgefährtetes Dach

Gleich daneben ragt der gewaltige Lehmhügel der Huaca del Sol auf – einst mit über 40 Metern die höchste präkolumbianische Pyramide Perus. Im Gegensatz zur Huaca de la Luna ist sie heute (noch) nicht für Besucher zugänglich. Nur ein kleiner Teil wurde bislang archäologisch freigelegt, der Großteil liegt noch unter Sand und Geröll verborgen. Ein wesentlicher Grund dafür sind die schweren Zerstörungen während der Kolonialzeit: Im 17. Jahrhundert leiteten spanische Schatzsucher kurzerhand den nahegelegenen Río Moche um, um mit dem Wasserstrom die Pyramide auszuwaschen – in der Hoffnung, auf einfachem Weg Goldschätze zu finden. Der Schaden war enorm: Schätzungen zufolge wurden dabei bis zu zwei Drittel der ursprünglichen Struktur weggespült. Fündig wurden die Spanier nicht, doch das monumentale Bauwerk war dauerhaft beschädigt. Heute konzentrieren sich die archäologischen Arbeiten vor allem auf die Sicherung und Erhaltung der verbliebenen Strukturen. Da die Huaca del Sol nicht nur stark zerstört, sondern auch instabil ist, gestaltet sich die weitere Erforschung schwierig. Man geht davon aus, dass sie in der Blütezeit der Moche als administratives und politisches Zentrum diente, während die Huaca de la Luna vor allem religiöse Bedeutung hatte.

Huaca de la Luna – Wandgemäde 1

Nach all den Eindrücken machten wir uns schließlich auf den Weg zurück zum Auto. Um etwas nach 13:00 Uhr fuhren wir los, um noch ein gutes Stück bis zum Sonnenuntergang gen Süden zu fahren.

Straße durch die hügelige Wüste um 14:55 Uhr
Fast schon überladener LKW auf der Gegenspur
Straße durch die Wüste am Meer um 17:25
Kategorien: Panamericana

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