Da zwei Tage in Lima natürlich ziemlich knapp bemessen sind, mussten wir heute Morgen direkt früh los – als erster Programmpunkt stand das Museo Larco auf dem Plan, eines der bedeutendsten Museen des Landes. Untergebracht in einer alten Kolonialvilla mit wunderschönem Garten zeigt es eine Sammlung präkolumbianischer Kunst: von Keramiken über Textilien bis hin zu Gold- und Silberschmuck.

Spannend fanden wir den didaktischen Aufbau der Ausstellung: Die Kunstwerke sind nicht nur nach Regionen gegliedert (etwa Costa Norte, Costa Central, Costa Sur oder die Sierra), sondern auch nach den historischen Epochen, in denen sie entstanden sind. So ließ sich die Entwicklung der jeweiligen Kunststile in den einzelnen Regionen über die Zeit hinweg sehr anschaulich nachvollziehen. (Sofern wir verstanden hatten, in welcher Region wir uns gerade befinden.) Das Museum unterscheidet dabei vier Hauptzeiträume der vorspanischen Geschichte Perus. Diese Einteilung geht auf Rafael Larco Hoyle zurück, den Gründer des Museums und einen der bedeutendsten Archäologen des Landes:
- Época Formativa (ca. 1200 v. Chr. – 200 n. Chr.): Erste komplexe Gesellschaften entstehen – mit Anfängen von Landwirtschaft, religiösen Praktiken und Keramikkunst.
- Época de Auge (ca. 200 – 700 n. Chr.): Regionale Hochkulturen wie die Moche und Nazca blühen auf, ihre Werke sind technisch und künstlerisch hochentwickelt.
- Época Fusional (ca. 700 – 1000 n. Chr.): Überregionale Reiche wie Wari und Tiwanaku integrieren lokale Stile und verbreiten neue kulturelle Einflüsse.
- Época Imperial (ca. 1000 – 1532 n. Chr.): Die politischen Machtverhältnisse konzentrieren sich zunehmend, bis schließlich das Inka-Reich fast ganz Anden-Südamerika dominiert.
Zu den ältesten Fundstücken gehörte ein Ensemble von Pfeilspitzen aus der präkeramischen Zeit, das möglicherweise aus Caral stammt – dem Ort, den wir erst vor wenigen Tagen an Tag 328 besucht haben.

Auch viele andere Stationen unserer Reise durch Peru wurden im Museum wieder lebendig. Die Chimú-Kultur, deren Ruinenstadt Chan Chan wir an Tag 326 erkundet haben, war hier mit zahlreichen Objekten vertreten. Besonders faszinierend war es zu sehen, wie sich der Stil ihrer Kunst nach der Eroberung durch die Inka veränderte.


Die Moche-Kultur, deren imposante Tempel wir an Tag 327 nahe Trujillo besucht haben, beeindruckte erneut durch ihre Keramikgefäße.

Und natürlich durften die Inka nicht fehlen – ihre Kunst erinnerte uns natürlich an unseren Besuch von Machu Picchu (Tag 248) und des Sacred Valley (Tag 238 + 239).

Schließlich widmet sich das Museo Larco auch der Zeit der spanischen Kolonialherrschaft. Viele Symbole der präkolumbianischen Welt wurden in dieser Epoche neu interpretiert – etwa die Raubkatze, die einst göttliche Macht symbolisierte und nun erlegt auf den Schultern eines Mannes dargestellt wird. Solche Darstellungen stehen sinnbildlich für die „Entmachtung“ der alten Gottheiten durch die neuen kolonialen und christlichen Herrschaftsstrukturen.

Nach dem Museumsbesuch ging es direkt weiter ins Restaurant Mayta – eines der besten Restaurants Limas und laut „The World’s 50 Best Restaurants“ aktuell auf Platz 39 weltweit. Abends gibt es dort ausschließlich ein Degustationsmenü, das mit rund 250 USD (exklusive Getränke) zu Buche schlägt – mittags hingegen kann man à la carte essen, was deutlich erschwinglicher ist. Unser Budget reichte jeweils für einen Cocktail und eine Hauptspeise. Den krönenden Abschluss bildete eine riesige Portion Mousse au Chocolat, die selbst zu zweit kaum zu schaffen war.


Frisch gestärkt machten wir uns danach auf zur Huaca Pucllana, einer archäologischen Stätte mitten in der Stadt. Die Ruine war einst das religiöse und administrative Zentrum der Lima-Kultur. Der Ticketverkauf war etwas ungewöhnlich: Zunächst mussten wir rund 15 Minuten warten, bis wir überhaupt an der Reihe waren um ein Ticket zu kaufen – dann erklärte eine Mitarbeiterin detailliert, wann die nächste Führung beginnt und wie der Ablauf ist. Anschließend durfte wir bei einer anderen Mitarbeiterin das Ticket kaufen, das dreifach ausgedruckt wurde: Ein Exemplar blieb beim Verkauf, eines ging an den Sicherheitsdienst, und eines durften wir behalten. Anschließend hieß es nochmals 30 Minuten warten, bis unsere Führung begann.
Die Führung selbst war jedoch durchaus lohnend: Die Ruinen stammen aus der Zeit von etwa 200 bis 650 n. Chr., als die Lima-Kultur in dieser Region lebte. Typisch für ihren Baustil war die sogenannte Bookshelf-Technik, bei der Lehmziegel wie Bücher senkrecht nebeneinandergestellt wurden – das machte die Mauern besonders widerstandsfähig gegen Erdbeben. Ursprünglich waren sie mit Ton glatt verputzt und gelb gestrichen. Um etwa 650 n. Chr. wurde die Anlage vermutlich infolge von El-Niño-bedingter Trockenheit aufgegeben. Ab ca. 850 n. Chr. übernahmen Menschen aus den Anden das Gelände, und ab 1180 n. Chr. nutzten die Ychsma-Leute die Stätte weiter. Ihr Baustil unterschied sich deutlich durch quer gestapelte Steine. Heute ist nur ein kleiner Teil der ursprünglichen Anlage erhalten – der Rest wurde von der modernen Stadt überbaut.



Während wir bis dahin noch gemeinsam unterwegs gewesen waren, fühlte ich mich im Laufe des Tages immer schlechter: Mir war kalt, ich hatte Gliederschmerzen – ungewohnterweise in den Schultern statt wie sonst in den Beinen – und mein Kopf fühlte sich zunehmend matschig an. Für mich ging es daher auf direkten Weg zurück zu Bernie und ohne Umweg ins Bett.
Saskia machte sich allein auf den Weg nach Miraflores, dem modernen und touristischen Stadtteil am Pazifik. Dort besuchte sie zunächst den Parque del Amor, spazierte entlang der Uferpromenade mit Blick auf den Ozean und warf einen kurzen Blick ins Einkaufszentrum Larcomar, das spektakulär in die Klippen gebaut ist. Über eine der belebten Hauptstraßen ging es weiter – mit Kaffeepause – zum Parque Kennedy, bekannt für seine zahlreichen Katzen, die dort frei herumlaufen und sich von den Besucher:innen verwöhnen lassen.




Am Abend fuhr Saskia mit dem Uber zurück ins historische Zentrum, wo sie sich zum Circuito Mágico del Agua aufmachte – ein weitläufiger Brunnenpark im Parque de la Reserva, in dem abends eine beeindruckende Licht-, Wasser- und Musikshow geboten wird. Die farbig angestrahlten Fontänen, teils interaktiv, gehören zu den unerwarteten Highlights Limas.

Zum Abschluss des Tages kehrte sie noch ins traditionsreiche Gran Hotel Bolívar am Plaza San Martín ein. Unser Guide vom Vortag hatte erzählt, dass hier der Pisco Sour erfunden worden sei. Für Saskia gab es heute aber einen Chilcano.



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