Ursprünglich wollten wir heute direkt zur Oase Huacachina weiterfahren, entschieden uns am Morgen aber spontan für einen zusätzlichen Zwischenstopp: das Weingut Tacama. Gestern hatte man uns bei Sotelo erzählt, dass dort – im Gegensatz zu vielen anderen Bodegas der Region – auch normale Weine angebaut würden. Und das war Grund genug für uns, den Zwischenstopp einzuplanen.
Genauso wie Sotelo liegt das Weingut einige Kilometer außerhalb von Ica. Ohne vorherige Anmeldung entschieden wir uns vor Ort für eine der größeren Führungen, die neben dem Produktionsrundgang mit Wein- und Piscoverkostung eine Besichtigung der historischen Anlage beinhaltet.
Zu Beginn wurde ein kurzer Imagefilm gezeigt, der die Geschichte von Tacama erklärte. Das Gut wurde um 1540 von den Spaniern gegründet und gilt als eines der ältesten Weingüter Südamerikas. In der Kolonialzeit diente es zunächst der Messweinproduktion für kirchliche Zwecke. Ab dem 17. Jahrhundert entwickelte sich neben dem Weinbau auch die Piscoproduktion, um den regionalen Bedarf zu decken. Im 18. und 19. Jahrhundert blieb Tacama trotz Rückschlägen, etwa durch ein spanisches Exportverbot und Naturkatastrophen, in Betrieb und verlagerte seinen Schwerpunkt zunehmend auf Pisco. Die historische Hacienda ging zeitweise in kirchlichen Besitz über. Im 20. Jahrhundert wurde der Betrieb grundlegend modernisiert: Mit Hilfe französischer Önologen führte man Edelstahltanks, temperaturgesteuerte Gärung und qualitätsorientierte Verfahren ein. Im Zuge dieser Umstellung testete Tacama über 100 verschiedene Rebsorten, um die für das lokale Klima geeigneten auszuwählen. Heute werden davon noch rund 20 Sorten kultiviert, darunter internationale Klassiker wie Malbec, Cabernet Sauvignon und Sauvignon Blanc, was ein ungewöhnliches Sortiment für die Region darstellt. Ergänzt wird das Angebot natürlich durch Pisco.
Nach dem Film ging es nach draußen. Dort wurde uns eine historische Weinpresse aus dem 18. und 19. Jahrhundert gezeigt.

Anschließend ging es in die moderne Produktionsanlage. Hier sagen wir große Edelstahltanks zur temperaturgesteuerten Gärung, automatisierte Abfüllanlagen und den Pisco-Destillierraum (den ich vergessen habe zu fotografieren).



Im Anschluss fand die Verkostung statt: zwei Weißweine, ein Rotwein sowie ein klassischer Pisco. Die Verkostung fand dort statt, wo auch etliche historische Gegenstände ausgestellt sind. Wer bei Amazon nach Pisco sucht, hat gute Chancen einen Pisco von Tacama angeboten zu bekommen.




Den Abschluss bildete ein kurzer Rundgang durch die Hacienda, die mit ihrem Innenhof, der kleinen Kapelle einem Glockenturm ein sehr schönes Beispiel kolonialer Architektur ist.



Nach dem Besuch fuhren wir zurück in die Stadt Ica, durchquerten den chaotischen Verkehr und verließen sie kurz darauf auf der anderen Seite in Richtung Huacachina. Dies eine kleine (künstlich erweiterte) Wüstenoase, die von bis zu 100 Meter hohen Sanddünen umgeben ist.

Und was macht man in der Wüste mit Sanddünen am besten? Offensichtlich mit einem lauten Gefährt in hoher Geschwindigkeit durch den Sand brettern und immer wieder mit Holzbrettern die Dünen herunter rutschen. Ohne Frage stand daher bei uns am Nachmittag eine Buggy- und Sandschlitten-Tour auf dem Programm. Die Tour begann wie erhofft mit einer rasanten Fahrt im offenen Sandbuggy durch die umliegenden Dünen. Unterwegs machten wir mehrere Stopps, um mit einem Sandschlitten (Sandboard ohne Bindung) die Hänge hinabzurutschen. Und am Ende der Tour schauten wir mit den anderen Touris gemeinsam den Sonnenuntergang in der Wüste an. Und zum Glück gab es bei dem Touranbieter eine Dusche, sodass wir uns von dem ganzen Sand befreien konnten.



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