Nach nun vielen Tagen auf Meeresniveau ging es heute endlich wieder in die Berge. Von unserem Stellplatz an der Küste waren es zwar nur 168 km bis Arequipa, allerdings mit vielen Höhenmetern und Kurven. Neben der schwachen Motorisierung von Berne machten uns immer wieder noch schlechter motorisierte Lkw das Leben schwer. Es war teilweise recht mühsam, diese zu überholen. Letztendlich erreichten wir aber am frühen Nachmittag ohne Probleme die auf gut 2.300 m Höhe liegende Kolonialstadt Arequipa.
Die Parkplatzsuche war zunächst schwierig. Der erste angefahrene Platz wollte uns wegen seiner nächtlichen Stammkundschaft nicht aufnehmen. Ein freundlicher Kioskbesitzer auf dem Gelände brachte mich dann zu einem alternativen Platz in der Nähe, der allerdings deutlich teurer gewesen wäre. Währenddessen hatte der Betreiber des ersten Platzes noch einmal nachgerechnet und festgestellt, dass doch Platz für uns sei. Nach einer kurzen Pause mussten wir uns direkt auf den Weg in die Stadt machen, wo wir eine Free Walking Tour durch das historische Zentrum gebucht hatten.
Die Tour begann mit einer kurzen Anekdote zur Herkunft des Stadtnamens. Angeblich stamme der Name Arequipa von der quechua-ähnlichen Aussage „Ari, quipay“, was so viel wie „Ja, bleibt [hier]“ bedeuten soll. Der Name soll auf Inka-Soldaten zurückgehen, die sich in der Region niederlassen wollten. Der Guide erklärte uns außerdem, dass sich die Architektur der Stadt von anderen Teilen Perus unterscheidet. Viele Gebäude bestehen aus Sillar, einem hellen, vulkanischen Tuffstein. Die Bauweise ist erdbebensicherer als in anderen Regionen – mit dickeren Mauern und niedrigeren Gewölben.
Wir kamen unter anderem am Monasterio de Santa Catalina vorbei, das Saskia und ich morgen noch besuchen möchten. Früher lebten hier Nonnen aus reichen Familien, später ausschließlich aus ärmeren Verhältnissen. Heute sind es nur noch wenige. Teile des Klosters wurden an Geschäfte vermietet, um den Erhalt der Anlage zu finanzieren. Gegenüber befindet sich eine Dachterrasse mit Blick auf das Kloster und die umliegenden Vulkane.

Weitere Stationen der Tour führten uns zunächst zu Mundo Alpaca, wo wir mehr über die Herkunft und Verarbeitung von Alpakawolle erfuhren. Dort wurden die Unterschiede zwischen der Wolle von Alpaka, Baby-Alpaka, Lama und Guanaco erklärt und gezeigt, wie die Wolle verarbeitet wird. Danach ging es weiter ins Barrio San Lázaro, das als ältester Stadtteil Arequipas gilt und mit seinen engen Gassen und weißen Mauern einen Eindruck davon vermittelt, wie die Stadt früher ausgesehen haben könnte.



Anschließend besuchten wir einen kleinen Kunsthandwerksmarkt, auf dem wir „Helado de queso“ probierten – ein lokales Milcheis, das trotz seines Namens keinen Käse enthält. Der Name geht wohl auf die Konsistenz zurück, die an Frischkäse erinnert. Danach gab es einen kurzen Stopp beim Plaza San Francisco und der gleichnamigen Kirche.

Der nächste Halt war die Biblioteca Mario Vargas Llosa, benannt nach dem bekannten peruanischen Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger. Dort erhielten wir einen Überblick über seine Biografie, seine politische Rolle sowie über die Auswirkungen der Hyperinflation in Peru in den 1980er-Jahren.

Danach besichtigten wir den Innenhof der Claustros de la Compañía, ein schönes Beispiel barocker Klosterarchitektur mit kunstvoll verzierten Bögen aus weißem sillar-Stein. Ebenso kamen wir an der reich geschmückten Fassade des Templo de la Compañía vorbei, einem Meisterwerk des barroco mestizo. Der Jesuitenorden ließ die Kirche im 17. Jahrhundert errichten und spielte lange eine einflussreiche Rolle in Arequipa. 1773 wurde der Orden durch ein Verbot der spanischen Krone aus dem Vizekönigreich Peru vertrieben – erst ab 1871 kehrten die Jesuiten nach Arequipa zurück. Ihr architektonisches Erbe prägt die Stadt bis heute.


Zum Abschluss führte uns unser Guide über eine Bar auf das Dach eines Hauses am Plaza de Armas. Von dort hatten wir einen weiten Blick über den gesamten Hauptplatz und auf die Basílica Catedral de Arequipa, die in der Abendsonne besonders schön aussah.

Am Abend schlenderten wir noch etwas durch die Stadt, aßen zu Abend und kauften Proviant für unsere bevorstehende Wanderung im Colca Canyon.
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