Nach einer kalten, aber ruhigen Nacht mitten in Uyuni erledigten wir am Morgen noch ein paar Besorgungen in der Markthalle. Dann konnte es losgehen zu einem der letzten großen Highlights unserer Reise: unserem erneuten Besuch auf dem Salar de Uyuni. Im Mörz waren wir an Tag 200 mit einer geführten Tour auf dem überfluteten Salar – heute sollte es alleine mit Bernie auf den trockenen Salar gehen. Wir fuhren in das rund 20 Kilometer entfernte Dorf Colchani, von wo aus man in der Trockenzeit problemlos auf den Salzsee gelangt. Erstaunlich: Die fünf Kilometer von Colchani bis zum Salar waren die beste Straße, die wir bisher in Bolivien gefahren sind.

An der Auffahrt zum Salar legten wir zunächst einen kurzen Stopp ein, um zu beobachten, welche Route die Fahrzeuge der verschiedenen Touranbieter nahmen. Auf dem endlosen Weiß des Salzsees war die Orientierung dann relativ einfach: Die dunklen Reifenspuren zahlreicher Fahrzeuge dienten als grobe Orientierungshilfe. Nur gelegentlich verliefen sich die Spuren, und man musste ein wenig suchen, bis man wieder eine gut befahrbare Strecke fand.


Unser erster Halt war am Monumento al Dakar – ein Ort, den wir von unserer geführten Tour bereits kannten. Dort kamen wir mit zwei Deutschen ins Gespräch, machten einige Fotos und trafen schließlich noch einen Mannheimer, der ebenfalls mit dem Wohnmobil unterwegs war. Im März, als der Salar komplett geflutet war, war für alle Touren hier am Monument Endstation. Weiterzufahren hätte bedeutet, die Fahrzeuge erheblich zu beschädigen. Sobald das Salz in die Elektrik kommt, wird es meisten schwierig.

Heute jedoch war der Salar vollkommen trocken, sodass wir problemlos die rund 60 Kilometer entfernte Isla Incahuasi ansteuern konnten. Wie bereits auf dem Weg zum Monument war die Fahrspur mal klar zu erkennen, mal etwas schwieriger zu finden. Irgendwann legten wir eine Pause ein, um Fotos zu machen und einige Videos zu drehen.



Schließlich erreichten wir die Isla Incahuasi, auch bekannt als Kaktusinsel. Wir parkten neben einer langen Reihe von Tourfahrzeugen, zahlten den Eintritt und reihten uns in den Besucherstrom ein, der den Rundweg über die Insel nahm.
Die Isla Incahuasi ist eine von mehreren „Inseln“ im Salar de Uyuni – ehemalige Gipfel vulkanischen Ursprungs, die aus dem Salzmeer herausragen. Das Terrain ist von porösem Korallengestein durchzogen, ein Überbleibsel aus der Zeit, als hier noch ein riesiger prähistorischer See existierte. Besonders beeindruckend sind die bis zu zwölf Meter hohen Riesenkakteen (Echinopsis atacamensis), die auf der Insel wachsen. Da sie im Durchschnitt nur etwa einen Zentimeter pro Jahr wachsen, sind viele dieser Exemplare über 1.000 Jahre alt.


Der Salar selbst ist mit über 10.000 Quadratkilometern die größte Salzpfanne der Erde. Er liegt auf etwa 3.650 Metern Höhe und entstand durch das Austrocknen des prähistorischen Paläosees Tauca vor rund 10.000 Jahren. Heute ist der Salzsee nicht nur ein spektakuläres Naturphänomen, sondern auch von wirtschaftlicher Bedeutung: Neben der Salzgewinnung werden hier riesige Lithiumvorkommen vermutet.
Zum Sonnenuntergang stellten wir unser Fahrzeug an der Nordspitze der Insel ab. Der Platz war strategisch gewählt, um sowohl den Sonnenuntergang am Abendhimmel zu beobachten und am nächsten Morgen direkt das erste Licht der aufgehenden Sonne zu haben. Da die Nächte mit schätzungsweise -5°C ziemlich kalt werden, möchten wir den Motor am Morgen so gut es geht mit der Sonne aufwärmen und parkten daher mit der Fahrzeugspitze nach Osten.


Ganz zu Ende war der Tag damit noch nicht. Unser Wecker klingelte um 2:00 Uhr morgens, nachdem der Mond untergegangen war. Wir wollten die Chance nutzen und den Sternenhimmel über dem Salar zu bewundern.


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