Warum nochmal all die Mühe für ein paar Tage Strand?
Seitdem wir unseren Plan (siehe hier) verworfen hatten, die Reise über Zentral- und Nordamerika bis nach Alaska fortzusetzen, war immer klar: Am Ende unserer Reise – sobald wir in Kolumbien angekommen sind – wollten wir zwei Wochen am Karibikstrand entspannen, bevor wir wieder zurück ins normale Leben müssen. Doch wie so oft kommt alles ein wenig anders als geplant. Nicht nur der Plan mit Alaska, sondern auch der Plan, die Reise in Kolumbien zu beenden, hat sich offensichtlich geändert. Der Alaska-Plan war von Anfang an schlicht unrealistisch und ließ sich mit unserer Art zu reisen nicht umsetzen. Für den Plan, die Reise in Kolumbien zu beenden, fehlte uns ein wenig der Mut.
Als wir Bernie zu Jahresbeginn zum Verkauf ausgeschrieben hatten, gab es zwar Interessenten aus Europa, die ihn kaufen wollten – aber eben nicht erst im August, sondern schon viel früher. Rodrigo – dessen Geschäftsmodell es ist, europäische Wohnmobile zu importieren, aufzuhübschen und an Chilenen weiterzuverkaufen – machte uns bereits im März ein verbindliches Angebot, und wir sagten zu. Eine Abwägung zwischen fairem Preis und Planungssicherheit auf der einen Seite und einer erneuten Änderung der Reiseroute auf der anderen. Bernies große Fahrt durch Südamerika endete nun etwas südwestlich von Santiago de Chile und nicht in Cartagena – oder gar in Alaska. Und dann ergab sich eine Sache aus der anderen: Wir hatten noch ein paar Tage frei bis zu unserem Heimflug, den wir ungeschickterweise nicht stornierbar ab Santiago gebucht hatten. Gleichzeitig gab es unseren alten Traum von ein paar Tagen Strand am Ende der Reise. Da in Südamerika gerade Winter ist und man für Badewetter in die Nähe des Äquators muss, setzten wir uns kurz nach Mitternacht von Tag 360 – also eigentlich schon Tag 361 – in ein Flugzeug via Panama nach Curaçao.
Tag 1 (13.08.2025): Flug und Ankunft auf Curacao
Nach Mitternacht ging unser erster Flug von Santiago los, der am frühen Morgen nach knapp sieben Stunden in Panama City landete. Zwecks Schlafen wäre es retrospektiv definitiv klüger gewesen, auf das mäßig gute Omelett zu verzichten, das schon über zwei Stunden vor der Landung serviert wurde.
Angekommen in Panama City mussten wir dann einige Stunden warten, bevor wir in das zweite Flugzeug nach Curaçao steigen durften. Dort landeten wir etwas nach zwölf Uhr. Curaçao ist ein autonomes Land im Königreich der Niederlande und damit politisch den Niederlanden gleichgestellt. Es erwarteten uns nicht nur Sonnenschein und Passatwind, sondern auch ein Preisniveau, das eher an Europa beziehungsweise Nordamerika erinnerte. Für die wenigen Kilometer vom Flughafen zum Hotel wären per Taxi stolze 35 US-Dollar fällig gewesen. Deshalb stellten wir uns an die Bushaltestelle und warteten, bis uns ein Bus aufsammelte. Dieser brachte uns nach Willemstad, von wo wir die letzten drei Kilometer mit einer Art Collectivo zurücklegten.
Auch beim Geld gibt es hier eine interessante Geschichte: Bis 2010 zahlte man mit dem Antillen-Gulden, der für alle Inseln der Niederländischen Antillen galt. Nach deren Auflösung wurde der Karibische Gulden (ANG) eingeführt, gültig nur noch auf Curaçao und Sint Maarten. Der Wechselkurs ist fest an den US-Dollar gebunden: 1 USD = 1,79 ANG. Warum man nicht den Dollar selbst eingeführt hat, müssen wir mal noch recherchieren.
Angekommen in unserem ersten Hotel, wo wir für zwei Nächte bleiben werden, war das Zimmer leider noch nicht bereit. Aber wir durften trotzdem direkt an den Strand und die Anlage ein wenig genießen, bis wir unser Zimmer beziehen durften. Dieses war dann unglaublich schön, da ich noch einen „Upgrade-Gutschein“ hatte. Kurz später ging es zurück an den Strand und später zum Abendessen.


Tag 2 (14.08.2025): Nichts außer Entspannung
Obwohl wir nun seit einem Jahr unterwegs waren, gab es nur selten, oder eigentlich nie, ganze Tage, die ausschließlich zum Entspannen gedacht waren. Heute jedoch stand nichts auf dem Programm, außer am Strand zu liegen und zwischen Liege, Meer und einem der Pools hin und her zu wechseln.
Endlich hatte ich auch wieder die Zeit und, noch wichtiger, die Motivation, joggen zu gehen. Dabei wird aber leider auch deutlich, dass meine aktuelle Form noch ein gutes Stück hinter dem Niveau vor der Reise zurückliegt. Zurück im Hotel ging es direkt zum Frühstücksbuffet, wo es zu meiner Freude Lachs gab. Auch sonst war das Buffet reichlich und abwechslungsreich bestückt.
Mit vollen Bäuchen ging es zunächst auf eine Liege und später mit Schnorchel und Brille ins Wasser. Direkt vor dem Hotel liegt nämlich das sogenannte Haus-Reef. Ein kleines Riff, in dem Korallen, verschiedene Pflanzen sowie viele unterschiedliche Fische zu entdecken sind. Im Vergleich zum Schnorcheln auf den Galapagos-Inseln ist vorallem die Pflanzenwelt eindrucksvoller. Der restliche Tag verlief ähnlich wie der vorherige Nachmittag: entspannt auf der Liege, mit gelegentlichen Abstechern ins Meer oder in den Pool.


Tag 3 (15.08.2025): Noch mehr Entspannung und Umzug in ein anderes Hotel
Der Morgen begann mit einer kleinen Schnorchel-Runde vor dem Frühstück. Im Prinzip gab es genau dasselbe zu sehen wie gestern – nur heute waren offenbar mehr Feuerquallen unterwegs, denn wir beide wurden von welchen „erwischt“. Danach stärkten wir uns beim Frühstücksbuffet noch einmal ausgiebig, bevor das gewohnte Rotationsprogramm aus Liege, Meer und Pool wieder begann. Zum Glück hatten wir einen Late-Check-Out bis 16:00 Uhr, sodass ausreichend Zeit blieb, den sehr schönen Hotelstrand zu genießen. Gegen 13:45 Uhr wurde mit ordentlich Verspätung unser Mietwagen geliefert, den wir am Vortag bei einer lokalen Mietwagenfirma gebucht hatten. Überraschenderweise wurde mir einfach der Schlüssel in die Hand gedrückt, ohne dass sie Kreditkarte oder Führerschein sehen wollten – das sollte „später“ erledigt werden. Um 16:00 Uhr checkten wir aus und fuhren 16 km südwestlich an Willemstad vorbei zu einer etwas einfacheren Unterkunft in der Nähe des Jan-Thiel-Strands. Dort schauten wir noch zum Sonnenuntergang vorbei. Zum Abendessen ging es zu de VISBOER, wo ich unterschiedlichen rohen Thunfisch probierte, der unvorstellbar gut schmeckte. Auch Saskias Entrecôte-Steak war hervorragend.


Tag 4 (15.08.2025): Enttäuschender Besuch in Willemstad und fantastisches Schnorcheln am Tugboat Strand
Das Frühstücksbuffet im neuen Hotel war natürlich etwas bodenständiger als im letzten, aber trotzdem lecker. Als wir satt waren, machten wir uns mit dem Mietauto auf den Weg nach Willemstad, wo wir eine schöne Kolonialstadt erwarteten – oder zumindest erhofft hatten. Die Hoffnung erfüllte sich jedoch nicht so richtig: Alles wirkte unglaublich touristisch, und die meisten Lokalitäten sahen für uns nicht wirklich einladend aus. Aber was sollte man in einer Stadt mit einem großen Kreuzfahrtterminal auch anderes erwarten?
Erwähnenswert ist die Koningin Emmabrug, über die wir von unserem Parkplatz im Stadtteil Otrobanda nach Punda liefen. Dies ist eine sogenannte Ponton-Brücke, die auf schwimmenden Elementen gebaut ist. Auf der westlichen Seite ist sie drehbar mit dem Ufwe verbunden, auf der östlichen Seite kann sie durch Dieselmotoren geöffnet und komplett parallel zur westlichen Küste „geparkt“ werden.




Außerdem sind die Graffitis in Willemstad sehenswert. Da die meisten davon in Otrobanda sind, mussten wir den Sint Annabaai wieder überqueren. Gerade als wir über die Brücke wollten hupte es laut und Sperrgitter fuhren hoch und wenig später war die Brücke auf der anderen Seite des Ufers geparkt. Daher ging es für uns mit einer kleinen Fähre auf die andere Seite nach Otrobanda. Der Stadtteil gefiel uns deutlich besser da er eine weniger touristische Wohngegend ist. Und an vielen Häusern gibt es es sehr schöne Graffitis.




Da die Stadt weniger schön war als gedacht und es zusätzlich unglaublich warm war, ging es früher als geplant zurück zum Auto. Als Nächstes steuerten wir den Tugboat-Strand an, angeblich einer der schönsten Schnorchel-Strände auf Curaçao. Auf den ersten Blick wirkt es so, als hätte man sich verfahren, da direkt daneben ein riesiges Bohrschiff im Wasser liegt. Die vielen Autos auf dem Parkplatz zeigten uns jedoch schnell, dass wir richtig waren.

Ein sehr netter Kanadier von einem Kiosk erklärte uns direkt den „Schnorchel-Weg“ und bot an, unsere Wertsachen sicher zu verwahren. Wenig später waren wir im Wasser und konnten direkt wieder die Unterwasserwelt bestaunen. Highlights waren das versunkene Tugboat, ein fast kugelrunder Fisch und ein Sepia. Dieses Mal gab es sogar Fotos, da wir eine Handywasserhülle dabei hatten. Aber bekanntlich macht es damit weniger Spaß als mit einer Actioncam, und viele Bilder werden nichts. Ein paar passable Fotos sind trotzdem gelungen – nur vom Sepia leider nicht.



Nach dem Schnorcheln ging es zurück zu unserem „Haus-Strand“, wo wir den Rest des Tages verbrachten. Zum Abendessen ging es in ein nahegelegenes Restaurant, wo es für mich wieder Thunfisch gab.

Tag 5 (16.08.2025): Strände, Schildkröten und koloniales Erbe
Nach dem Frühstück ging es mit dem Mietauto eine Stunde in den Westen der Insel. Unser erstes Ziel war die Grote Knip (Playa Kenepa Grandi) – tatsächlich einer der bekanntesten Strände von Curaçao. Dort verbrachten wir sehr gemütliche Stunden. Unter dem Sonnenschirm ließ es sich mit dem leichten Wind gut aushalten.

Als Nächstes fuhren wir zum Playa Piskadó (auch Playa Grandi genannt). Der Name kommt vom Papiamentu-Wort „Piskadó“, das „Fischer“ bedeutet. Hier werfen die Fischer ihre Fischreste direkt ins Meer, was Meeresschildkröten anlockt. Die Reste entdeckten wir schnell, die Schildkröten wollten sich jedoch zunächst nicht blicken lassen. Doch irgendwann tauchte eine auf – und als wir ihr folgten, entdeckten wir noch eine zweite.


Das nächste Ziel war das Landhuis Dokterstuin. Die Landhäuser („Landhuizen“) sind ehemalige Herrenhäuser, die im 17. und 18. Jahrhundert von niederländischen Plantagenbesitzern gebaut wurden. Sie dienten als Verwaltungs- und Wohnsitze und waren das Zentrum von Plantagen, auf denen mit Sklaven Zuckerrohr, Aloe, Indigo oder auch Mais angebaut wurde. Die Landhuizen sind damit ein sichtbares Erbe der Kolonialzeit und der Ausbeutung afrikanischer Sklaven auf Curaçao. Heute ist das Landhuis Dokterstuin ein Restaurant, in dem man solide essen kann. Saskia bestellte einen Rindereintopf, der an Gulasch erinnerte, und ich wählte einen roten Schnapper, der im Ganzen frittiert serviert wurde.


Zum Abschluss des Tages steuerten wir noch den Playa Cas Abao an, den uns der Gastgeber unserer Unterkunft empfohlen hatte. Zwei weitere Stunden am Strand später ging es zurück in Richtung Unterkunft. Nach einer Dusche zog es uns wieder zu meinem neuen Lieblingsrestaurant, dem De Visboer. Eigentlich wollte ich dort das Sashimi vom „Dry Aged“-Thunfisch probieren, das jedoch leider ausverkauft war. Also entschied ich mich erneut für einen leicht mit Sesam angebratenen Thunfisch – und zusätzlich für ein in Butter gebratenes Filetstück vom Mahi-Mahi (Goldmakrele), einem typischen Fisch der Insel.
Tag 6 (17.08.2025): Rückreise nach Santiago
Schneller als uns lieb war, ging die Zeit auf Curaçao zu Ende. Da uns die Airline beim Online-Check-in empfohlen hatte, bereits drei Stunden vor Abflug am Flughafen zu sein, blieb am Morgen kaum mehr Zeit. Ein kurzer Spaziergang am Strand, Gepäck packen, frühstücken, das Hotel bezahlen – und gerade so rechtzeitig erhielten wir noch die Informationen zur Rückgabe des Mietwagens:
Here’s what you can do to return the vehicle:
Step 1: Check the Vehicle
- Ensure the vehicle is in the same condition as when it was delivered, without any damage.
Step 2: Check the Fuel
- Verify that the fuel level is the same as at the time of delivery.
Step 3: Park at the Airport
- Drive to the departure parking lot, right in front of the departure area at the airport.
Step 4: Leaving the Vehicle
- Park the vehicle in a suitable spot in the departure parking lot.
- Leave the doors of the vehicle unlocked.
Step 5: Keys and Parking Ticket
- Place the car keys and the parking ticket under the mat on the driver’s side of the vehicle.
Step 6: Send a Photo and Video
- Take a photo of the vehicle’s location and send it to us via WhatsApp.
- Also, shoot a short video of the vehicle’s exterior.
This way, you can safely leave the vehicle at the airport without needing our transport service.

Angekommen am Flughafen parkten wir das Auto und befolgten die Anweisungen. Und dann klappte alles doch ziemlich schnell und wir waren letztendlich viel zu früh da. Nach der Erfahrung mit dem verpassten Flug zu den Galapagos -Inseln, wollten wir aber kein unnötiges Risiko eingehen. Die Flüge klappten gut und nach einem kurzen Zwischenstopp in Panama City kamen wir abends gut in Santiago de Chile an. Nur leider sind wir jetzt nicht mehr nur 8.100 km Luftlinie von Tamm entfernt, sondern wieder gut 12.000 km entfernt.
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